Personzentrierte und experienzielle Psychotherapie - körperorientiert

Der psychotherapeutische Ansatz der «Personzentrierten und experienziellen Psychotherapie – körperorientiert» war früher als «klientenzentrierten Gesprächs- und Körperpsychotherapie» bekannt. In dieser Form von Psychotherapie werden hauptsächlich die Erkenntnisse der personzentrierten Psychotherapie nach Carl Ransom Rogers, des Focusings nach Eugene Gendlin und der Körperpsychotherapie in der spezifischen individuellen Situation angewendet.

Im Folgenden werden die drei Methoden erläutert.

Personzentrierte Psychotherapie

Die personzentrierte Psychotherapie nach Carl Ransom Rogers ist von der sogenannten personenzentrierten Grundhaltung von Empathie, bedingungslose Wertschätzung und Kongruenz geprägt.

Die Psychotherapeutin geht einfühlsam (empathisch) auf den Patienten ein, indem sie versucht, sich in die Situation des Patienten zu versetzen. Dabei geht sie behutsam vor und hört aufmerksam zu ohne zu werten. Die Psychotherapeutin wendet sich mit bedingungsloser Akzeptanz dem Patienten, seinem Erleben, der aktuellen Situation und seiner Geschichte zu. «Kongruenz» (oder Echtheit) bedeutet, dass sich die Psychotherapeutin ihres eigenen Erlebens und was der Patient bei ihr auslöst, jederzeit bewusst ist. Sie kann dieses Erleben dem Patienten, falls angebracht, aufrichtig zur Verfügung stellen.

Der Experte seines Lebens ist der Patient selbst. Probleme, Unsicherheiten oder Selbstzweifel können dieses Gefühl jedoch schwächen oder ganz erschüttern. Die personzentrierte Psychotherapeutin bleibt dabei zurückhaltend mit Ratschlägen. Vielmehr hilft sie dem Patienten, sich selbst mehr und mehr zu entdecken und kennenzulernen, so dass dieser Wege und Ziele im Leben wieder eigenständig verfolgen kann.

Focusing

Das sogenannte «Focusing» wurde von Eugene Gendlin entwickelt. Das Focusing bildet ein Prozess von intensiver innerer körperlicher Aufmerksamkeit. Dabei werden körperliche Empfindungen wahrgenommen, die die – vielleicht unklare, oder versteckte – Bedeutung einer Lebenssituation oder eines Themas aufzeigen. Dies kann beispielweise in Entscheidungsprozessen sehr hilfreich sein. Auch können damit schwierige Emotionen genau untersucht werden, um darauf eine Antwort vom Körper zu erhalten.

Beim Focusing wird der Körper befragt. Dies geschieht so, dass sich der Patient auf sein inneres Erleben konzentriert. Das innere Erleben ist am Anfang vielleicht noch vage und unklar. Die Psychotherapeutin hilft durch verschiedene Fragen, das Erleben zu konkretisieren. Das kann über verschiedene Modalitäten geschehen, z.B. kann das Erleben sich durch innere Bilder, Farben, Emotionen, Worte, Bewegungen oder über Geräusche zeigen. Die genauen erforschten Empfindungen und deren Bedeutungen werden schliesslich mit den aktuellen Fragestellungen und der Lebensgeschichte in einen Zusammenhang gebracht, womit die nächsten Schritte erleichtert werden.

Körperpsychotherapie und Achtsamkeit

In der Körperpsychotherapie wird neben der Sprache auch der Körper miteinbezogen. Dies kann mit Achtsamkeits- oder Atemübungen geschehen mit oder ohne Berührung. Achtsamkeit meint die bewusste Wahrnehmung des Körpers, der Gedanken oder Gefühle ohne zu bewerten. In dieser Weise ist es möglich, mit der Aufmerksamkeit in den gegenwärtigen Moment zu kommen und präsent zu sein. Dies kann beispielsweise dann helfen, wenn sich jemand viele Gedanken oder Sorgen um die Zukunft macht oder mit den Gedanken häufig in der Vergangenheit ist. Wenn jemand von Gedanken und Gefühlen überflutet wird, kann besonders die Wahrnehmung des Körpers helfen in den gegenwärtigen Moment zu kommen. Diese Praxis braucht am Anfang etwas Übung. Übungen zu Achtsamkeit können gut in den Alltag integriert werden und sie helfen, besser mit stressigen Situationen und schwierigen Emotionen umzugehen. Achtsamkeit im Alltag kann in verschiedenen Situationen geübt werden, z.B. beim Essen, beim Warten an der Kasse usw. In der Therapiestunde können Entspannungstechniken erlernt und die achtsame Wahrnehmung des Körpers geübt werden.

Wenn in der Körperpsychotherapie mit Berührung gearbeitet wird, kommen z.B. passive Bewegungen der Arme oder Beine zum Einsatz, Drehungen, Ziehen, Schütteln, Streichungen über den Körper, Massagen an verschiedenen Körperteilen, z.B. Nacken, Kopf oder Füsse. All diese Berührungen geschehen stets achtsam und die Therapeutin bleibt über die Sprache in Kontakt und stellt Fragen, damit der Klient achtsam in seinen Körper spürt, wie sich etwas anfühlt und ob sich z.B. etwas verändert durch die Berührung. Körperpsychotherapie kann dabei helfen, dass der Klient seinen Körper besser spürt und kennenlernt oder dass er tief entspannen kann. Dies hilft das Nervensystem zu beruhigen und reduziert Stress.

Die drei oben beschriebenen Methoden sind nicht immer klar trennbar, vor allem Focusing und Körperpsychotherapie überschneiden sich in weiten Teilen. Auch im Gespräch wird oft zwischen „über etwas reden“ und Focusing-Elementen und Körperpsychotherapie hin- und her gependelt. So fliessen die Methoden ineinander und sie können je nach Situation, Thema und Vorlieben des Patienten flexibel eingesetzt werden.


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